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Tuberkulose

Sie ist ansteckend und sie ist gefährlich. Man kennt sie als Schwindsucht, Weiße Pest oder Tbc: gibt es die Tuberkulose, jene Volkskrankheit, die bis ins letzte Jahrhundert wütete,  überhaupt noch? In Deutschland ist sie weitgehend eingedämmt, die Zahl der Neuerkrankungen auf rund 5.000 pro Jahr gesunken. Dennoch gehört Tbc heute zu den lebensbedrohlichen Erkrankungen, vor allem überall dort, wo Hygiene und medizinische Versorgung nicht ausreichend gewährleistet sind. Bis zu zwei Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen der Infektionskrankheit. Der 24. März ist der Welt-Tuberkulose-Tag. Er erinnert daran, das Robert Koch am 24. März 1882 in Berlin seine Entdeckung des Tuberkulose-Bakteriums bekannt gab. Im 19. Jahrhundert war die Tbc eine der am weitesten verbreiteten Krankheiten in Europa und Nordamerika. Heute ist sie auch hierzulande wieder ein Risikofaktor: sie tritt oft im Zusammenhang mit HIV/Aids auf – für Immungeschwächte bedeutet die Tuberkulose Lebensgefahr. Tuberkulose ist in Deutschland eine meldepflichtige Erkrankung, die der behandelnde Arzt an das Gesundheitsamt melden muss.

Krankheitssymptome – Krankheitsverlauf

Die Tuberkulose betrifft hauptsächlich die Lunge, über die Blutbahn kann sie aber auch alle anderen Organe im Körper befallen. Die ersten Anzeichen einer Tuberkulose sind denen eines grippalen Infekts nicht unähnlich. Die Patienten fühlen sich schwach, haben keinen Appetit, sie verlieren an Gewicht und sind ständig müde. Nur die Hälfte haben auch Probleme im Bereich der Atmung wie Husten und „Hüsteln“. Atemabhängige Schmerzen treten auf, wenn das Rippenfell betroffen ist.

Ansteckungsgefahr!

Die Ansteckungsgefahr ist im Vergleich zu anderen Infektionskrankheiten recht gering. Wer jedoch eine große Menge an Tuberkelbakterien einatmet, kann sich infizieren. Hustet ein Patient mit offener (=ansteckender) Tbc, so überleben die Tuberkulosebakterien einige Stunden im Raum und erhöhen die Übertragungsgefahr. Die Tuberkulose gefährdet besonders Säuglinge und Kinder unter vier Jahren. Drei bis sechs Monate nach der Ansteckung brechen die Erkrankungen meist aus. Dazu gehört etwa die gefürchtete Meningitis (tuberkulöse Hirnhautentzündung).

Ist die Immunabwehr des Infizierten erst geschwächt, können sich die Tuberkulose-Bakterien sofort über die Blutbahn im Körper verteilen. Die Lymphknoten der Lunge schwellen an, Rippenfell, Herzbeutel, Hirnhäute und Lunge werden zu Entzündungsherden. Die schlimmste Sonderform der tuberkulösen Lungenentzündung ist die „galoppierende Schwindsucht“.
Wer über einen längeren Zeitraum unspezifische Symptome wie leichtes Fieber, Müdigkeit, Gewichtsverlust und Nachtschweiß hat, wer länger als drei Wochen mit gelblich-grünem Schleim hustet oder Kontakt zu einem unbehandelten Tbc-Patienten hat(te), sollte unbedingt den Arzt aufsuchen.

Krankheitsdiagnose

Da die Tuberkulose anfangs oft keine oder nur geringe Beschwerden verursacht, fällt die Diagnose nicht immer leicht. Die körperliche Untersuchung mit Abhören und Abklopfen der Lunge kann einen ersten Verdacht bestätigen. Weitere Diagnoseschritte sind:

  • Hauttest:
    Der Kontakt mit Tuberkelbakterien lässt sich durch den klassischen Hauttest nachweisen. Dabei wird eine kleine Menge von Eiweiß des Erregers (Tuberkulin) in die Haut an der Innenseite des Unterarms gespritzt. Wenn sich nach drei Tagen  an der Einstichstelle eine Verhärtung (mit Hautrötung) von mindestens 5 mm (bei Kindern ca. 15mm) gebildet hat, ist der Tuberkulose-Test „positiv“.
  • Blutuntersuchung:
    Diese Methode wird den Hauttest wohl eines Tages ablösen: Seit 2005 kann Tuberkulose auch durch Blutuntersuchungen nachgewiesen werden.
  • Röntgenuntersuchung:
    Damit lassen sich Tuberkuloseherde aufdecken. Bringt das Röntgenbild keinen eindeutigen Aufschluss, folgt gegebenenfalls eine Computertomografie (CT).
  • Mikrobiologische Untersuchung:
    Um die Diagnose abzusichern, müssen die Bakterien direkt nachgewiesen werden. Dies geschieht durch eine mikrobiologische Untersuchung von Auswurf oder mittels Bronchoskopie gesammeltem Bronchialsekret.

Therapie

Tuberkulosebehandlung braucht viel Zeit: Über mehrere Monate muss konsequent und unter ständiger Kontrolle eine Kombination aus verschiedenen Medikamenten eingenommen werden. Dabei werden die Tuberkulose-Bakterien mit Antibiotika  abgetötet. Insgesamt erstreckt sich die Tuberkulose-Therapie über mindestens sechs Monate, in besonderen Fällen sogar bis zu zwei Jahren. In der Regel sind die einzelnen Medikamente gut verträglich. Da es in Einzelfällen zu schweren Nebenwirkungen kommen kann, sind regelmäßige ärztliche Kontrollen wichtig.

Eine offene Tuberkulose bedarf möglicherweise der stationären Behandlung, der Betroffene wird im Krankenhaus bis zu vier Wochen isoliert.
Genesene Patienten werden bis zu fünf Jahre lang auf Rückfälle hin untersucht. Wenn die Diagnose frühzeitig gestellt wurde und Medikamente regelmäßig und ausreichend lange eingenommen wurden, heilt die Tuberkulose in den meisten Fällen ohne Folgeschäden aus.

Die Tuberkulose-Impfung wird in Deutschland nicht mehr empfohlen.

Krankheitsursachen

Je schlechter die Ernährung und die hygienischen Verhältnisse sind, je mehr Menschen auf engem Raum leben, desto größer ist das Risiko einer Tuberkulose-Infektion. Übertragen wird die chronisch verlaufende Infektionskrankheit durch Tröpfchen. In erster Linie ist das Mykobakterium tuberculosis der Erreger. Selten geworden ist heute in Europa eine Infektion durch das Mykobakterium bovis aus der Rohmilch. Tuberkulose bricht aus, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Das kann auch Jahre nach einer Infektion der Fall sein. Risikofaktoren für eine Erkrankung sind Alter, Drogenmissbrauch, Alkoholmissbrauch, Stress, unterschiedliche Erkrankungen, die mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen (Aids, Diabetes, Tumorerkrankungen) sowie Wechselwirkungen  mit  anderen Medikamenten.

Häufigkeit der Krankheit

Tuberkulose gehört weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist ein Drittel der Menschheit – das sind etwa zwei Milliarden Betroffene – mit dem Erreger infiziert. Bis zu zehn Prozent von ihnen erkranken an aktiver Tuberkulose, Männer in der Regel doppelt so häufig wie Frauen. 95% aller Erkrankungen betreffen die armen Länder – dort ist die Tuberkulose die häufigste tödliche Infektionskrankheit. Die Erreger werden zunehmend resistent gegen die Therapie mit Antibiotika.

Schon die Mediziner der Antike kannten die Erscheinungsformen der Tuberkulose. Hippokrates (ca. 460-370 v. Chr.) beschrieb sie vor über 2.000 Jahren, wahrscheinlich existiert Tbc seit Menschengedenken als weit verbreitete Erkrankung. Sprunghaft stieg die Krankheit an, als die industrielle Revolution im 18. und 19. Jahrhundert zu einschneidenden sozialen Veränderungen führte und die Bevölkerungsdichte wuchs. Wohlstand, mehr Hygiene, bessere Ernährung und vor allem die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten haben die Infektion in den industrialisierten Ländern stark zurückgedrängt.

Der Zauberberg

Das Lungensanatorium als literarische Lebensform: Thomas Manns „Der Zauberberg“ ist der Tuberkulose-Roman schlechthin. Kein anderer Roman der Weltliteratur stellte eine Krankheit derart ins Zentrum wie dieser Klassiker, der 1924 erschien. Ort der Handlung ist ein Lungensanatorium in Davos am Vorabend des 1. Weltkrieges. Inspiriert wurde der große deutsche Dichter zu diesem Werk, als seine Frau Katia 1912 im Davoser „Waldsanatorium Dr. Jessen“ weilte und Thomas Mann sie dort einige Zeit besuchte. Die Davoser fanden die vielschichtige Geschichte um Todkranke und Liebende, um Ärzte und Ängste gar nicht so gut. Schließlich lebte die Stadt von ihrem legendären Ruf als Lungenkurort mit 30.000 Tbc-Kranken. Und auch die Mediziner waren verärgert: 1925 hieß es in der „Zeitschrift für Tuberkulose: „Im Interesse der Tuberkulosebekämpfung und der überall gewünschten und betriebenen Aufklärung… muss die Darstellung des Verfassers entschieden bedauert werden. Sie ist nur geeignet, im Laienpublikum ein falsches Bild von dem ernsten Leben und Wirken der Heilstätten hervorzurufen.“ Dennoch trat der „Zauberberg“ seinen Siegeszug rund um die Welt an. Neben Übersetzungen bis ins Japanische gab es 1945 beispielsweise sogar einen amerikanischen Sonderdruck für deutsche Kriegsgefangene in amerikanischen Lagern.