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Schlafapnoe

Im Schlaf setzt plötzlich die Atmung aus: Was sich zunächst recht schaurig anhört, bedeutet für viele Menschen allnächtliche Realität. Und viele merken es nicht einmal. Was sie spüren, sind allerdings große Müdigkeit und Unkonzentriertheit am Tage. Der Begriff Schlafapnoe leitet sich vom griechischen Wort „Apnoia“ – Windstille- ab. Schlafapnoe ist der medizinische Begriff für eine Schlaf-Bezogene-Atmungs-Störung (SBAS) und ist die häufigste Schlafstörung.  Die dabei auftretenden Atemstillstände und ihre Folgen bezeichnet man als das Schlafapnoe-Syndrom. Schnarchen ist dabei eines von vielen Symptomen.

Symptome

Bei einer Schlafapnoe können Atemstillstände bis 600-mal und mehr in einer Nacht auftreten. Dadurch sinkt die Sauerstoffsättigung im Blut, das heißt, das Gehirn und alle anderen Organe werden nicht mehr ausreichend mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff versorgt. Im Schlaf kommt es dann sehr oft zu Weckreaktionen (Arousals) des Gehirns für den Körper, sie müssen allerdings nicht immer zu einem vollständigen Erwachen führen. Es kommt jedoch auf alle Fälle dazu, dass ein normaler Schlaf nicht mehr gewährleistet ist – die Patienten fühlen sich morgens unausgeruht. Die wiederholt auftretenden Weckreaktionen stellen eine zusätzliche Stressbelastung für den gesamten Organismus dar.

Das Schlafapnoe-Syndrom ist eine ernst zu nehmende Krankheit und sollte behandelt werden. Die Atemaussetzer können zu Herzinfarkt oder Schlaganfall oder sogar zum plötzlichen Tod in der Nacht führen. Die Sterblichkeit ist bei Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom gegenüber gleichaltrigen Gesunden viermal höher. Andersherum gesagt ist die Lebenserwartung bei Personen mit einer unbehandelten Schlafapnoe um etwa zehn Jahre verringert.

Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie unter einer Schlafstörung leiden, die einer professionellen Behandlung bedarf. Den Arzt aufsuchen sollte man, wenn

  • „Schlafstörungen“ länger als einen Monat andauern und sich auch auf das Wohlbefinden am Tage auswirken
  • eine erhöhte Einschlafneigung am Tage besteht
  • Ungewöhnliches Verhalten im Schlaf (Parasomnien) beobachtet wird,
  • der Schlaf durch gehäufte Bewegungen z.B. der Arme oder der Beine unterbrochen ist
  • Betroffene laut und unregelmäßig schnarchen oder Atempausen auffallen
  • ohne erklärbaren Grund die Fahrtüchtigkeit oder Arbeitsfähigkeit durch „Müdigkeit“ beeinträchtigt sind, die Ausdauer bei der Verrichtung alltäglicher Routinearbeiten mangelhaft ist oder Einschlafen in der Schule beobachtet wird.

Diagnose

Die ersten Schritte zur Erkennung der Krankheit sind ein Monitoring (auch Polygrafie genannt), dass vom Facharzt nach Erhebung der Anamnese und der Untersuchung veranlasst wird. Bei einem entsprechenden Befund wird der Patient in ein zertifiziertes Schlaflabor überwiesen. Dort erfolgt während der ganzen Nacht die Aufzeichnung verschiedener Körperfunktionen wie Hirnströme, Augenbewegungen, Atmung, Muskelspannung oder Sauerstoffsättigung des Blutes (Polysomnografie). Aufgrund dieser Messwerte kann am Morgen danach ein sehr genaues Schlafprofil der einzelnen Schlafstadien (zum Beispiel Wachzustand, REM-oder Traumschlaf, Tiefschlaf, kurze Aufweckreaktionen) erstellt werden. Dieses Schlafprofil lässt Rückschlüsse auf die Schlafqualität und die Ursachen zu, die die Schlafqualität gegebenenfalls beeinträchtigen. Der gesamte Aufenthalt eines Patienten im Schlaflabor dauert in der Regel zwei Nächte, wobei die erste Nacht eine Diagnosenacht ist und die zweite meistens zur Einstellung und Überprüfung einer CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure = Kontinuierlicher Atemwegsüberdruck) dient. Ein CPAP-Gerät ist ein Hilfsmittel zur Beatmungstherapie und muss dauerhaft im Schlaf von dem Betroffenen verwendet werden.

Therapie

  • Atemtherapiegeräte (die wirksamste Standardtherapie!)
  • Biss-Schienen zur Vorverlagerung des Unterkiefers
  • Operative Verfahren (HNO-ärztliche bzw. kieferchirurgische Verfahren) in besonderen Fällen

Die wichtigste begleitende Maßnahme stellt bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion  dar. Abendlicher Alkohol verstärkt das Problem. In Fällen mit deutlicher Lageabhängigkeit kann eine Vermeidung der Rückenlage im Schlaf die Atempausen deutlich reduzieren.

Ursachen

Für das Schlafapnoe-Syndrom werden zwei Ursachen diskutiert. Am häufigsten ist das so genannte obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Davon sind 90 Prozent der Menschen mit Schlafapnoe betroffen. Die Erschlaffung der Schlundmuskulatur im Schlaf führt dabei zu einer Verlegung der Atemwege. Beim Verschluss der Atemwege kommt es zum Sauerstoffmangel und Kohlendioxidanstieg mit deutlich verlangsamter Pulsfrequenz. Dies führt im Gehirn zu gesteigertem Atemantrieb, einer Weckreaktion und damit zur Öffnung der Atemwege mit gleichzeitiger Steigerung der Herzfrequenz. Begünstigt wird die obstruktive Schlafapnoe durch starkes Übergewicht, Nasenpolypen, vergrößerte Rachenmandeln, Rückenlage und einen nach hinten fallenden Unterkiefer im Schlaf. Bei gleichzeitigem Vorliegen von Fettleibigkeit (Adipositas), Schlafapnoe und Cor pulmonale spricht man vom sogenannten „Pickwick-Syndrom“, benannt nach der Figur Little Joe in Charles Dickens‘ Roman „Die Pickwicker“.
In weniger als zehn Prozent der Fälle liegt keine Verlegung der Atemwege vor, sondern eine sogenannte zentrale Schlafapnoe. Bei ihr ist die Steuerung der Atmung im Gehirn aufgrund verschiedener Ursachen im Schlaf gestört. Am häufigsten liegt eine Herzinsuffizienz, ein Herzklappenfehler, ein Zustand nach Schlaganfall oder ein Diabetes mellitus mit metabolischem Syndrom vor.

Häufigkeit

Das Schlafapnoe-Syndrom ist eine der häufigsten und folgenschwersten Schlafstörungen. In Deutschland leiden schätzungsweise mehr als acht Prozent der Bevölkerung an dieser Volkskrankheit und damit auch an ihren Folgen – aber die wenigsten kennen die Ursache für ihre Beschwerden. Von über sechs Millionen Betroffenen sind weniger als fünf Prozent diagnostiziert und in Behandlung. Die Schlafapnoe ist die häufigste schlafbezogene Atemstörung und damit weitverbreitet wie chronische Atemwegserkrankungen  oder die Zuckerkrankheit (Diabetes).

Schlaflos geschieden

Das Schnarchen des Ehepartners ist übrigens in den USA seit 1971 ein gesetzlich anerkannter Scheidungsgrund. Eigentlich wenig verwunderlich, wenn man weiß, dass der nicht schnarchende Partner jede Nacht rund eine Stunde kostbaren Schlafs verliert und durchschnittlich dreiundzwanzigmal pro Stunde von den lauten Nebengeräuschen aufgeweckt wird, so eine wissenschaftliche Untersuchung.